Iowa Caucuses 2012: Prognosen der WaFi-Teilnehmer

  • Iowa Caucuses 2012: Prognosen der WaFi-Teilnehmer

    Wanli, 26.12.2011 20:59
    #1

    http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:John_Dee_s_Seal_Kristallkugel.jpg

    So, in vielen Familien im Hawkeye-State werden über die Weihnachtstage Diskussionen über das Bewerberfeld bei den Caucuses am 3.1. stattgefunden haben; Umfragen zufolge waren viele potenzielle Wähler ja noch recht unentschlossen, aber so langsam werden sie sich wohl eine Meinung bilden müssen. Wir werden über die nächsten Tage wohl noch einige Umfragen sehen, Ende des Jahres oder am 1.1. wird dann wohl die letzte Selzer-Erhebung erscheinen, die das schlussendliche Ergebnis wohl schon recht genau treffen wird. Meiner Meinung also recht sinnvoll, schon jetzt ein paar persönliche Prognosen zu sammeln, ich spring dann mal als Erster ins kalte Wasser.

    Zunächst der gegenwärtige RCP-Durchschnitt:

    Paul 22,3

    Romney 21

    Gingrich 14,7

    Perry 12

    Bachmann 8,7

    Santorum 7,7

    Huntsman 4

    http://www.realclearpolitics.com/epolls/2012/president/ia/iowa_republican_presid ential_primary-1588.html

    Bei 538 ändern sich die Prognosen täglich leicht, dort findet man momentan folgende Zahlen:

    Paul 22,3

    Romney 22,1

    Gingrich 17,5

    Bachmann 11,7

    Perry 11,7

    Santorum 8,6

    Huntsman 5,4

    http://elections.nytimes.com/2012/fivethirtyeight/primaries/iowa

    Wanli prognostiziert einfach mal drauflos, relativ losgelöst von den letzten Umfragezahlen und eher auf sein Bauchgefühl vertrauend:

    1) Paul >20

    2) Romney >20

    3) Santorum <20

    4) Perry ~15

    5) Gingrich <15

    6) Bachmann <10

    7) Andere ~5

    Begründung:

    1) Paul hat begeisterte Fans, die mit den jüngsten Berichten über einen möglichen Sieg jetzt noch einen Tacken enthusiastischer sein dürften. Zwar sind in den letzten Tagen einige weniger schöne Details aus Pauls Vergangenheit zur Sprache gekommen, aber die werden so schnell keine Auswirkungen mehr haben, Pauls Fans dürfen wohl auch als sehr loyal gelten. Frustrierte aller Couleur könnten eine Stimmabgabe für Paul als Protestwahl gegen das Establishment begreifen.

    2) Romney mag vielen Republikanern inzwischen als einziger Kandidat gelten, der die Professionalität und das Format hat, Obama zu schlagen. Er hat relativ wenig persönlichen Wahlkampf gemacht, aber seine Fernsehspots sind allgegenwärtig, in punkto Organisation dürfte höchstens Paul mit ihm mithalten können.

    3) Ein dritter Platz für Santorum ist natürlich eine ziemlich gewagte Prognose, liegt der Mann in allen Umfragen doch weit abgeschlagen hinten. Aber wenn man sich nie mal ein bisschen aus dem Fenster lehnt, brauchen wir ja keine Wahlbörse. ^.^ Wanli glaubt, dass viele Spätentschlossene sich dem ehemaligen Senator aus Pennsylvania zuwenden werden: Ein knallharter Sozialkonservativer mit außenpolitischer (Senats-)Erfahrung und einem auf die gebeutelten Malocher des Staates zugeschnittenen Wirtschaftsprogramm. Rick hat jeden Winkel des Staates bereist, geduldig mit Bürgern gesprochen, er hat wohl ne recht brauchbare Organisation und diverse Fürsprecher in der lokalen christlichen Rechten. Ich traue ihm zu, auf der Zielgeraden zu explodieren, auch wenn ihm für einen ganz großen Erfolg à la Huckebee wohl das Charisma fehlt.

    4) Perry hat einen recht eindrucksvollen Lebenslauf, ist dank Fernsehwerbung in allen Wohnzimmern allgegenwärtig und tourt gerade mit einem Bus über Land. So richtig zündet er bislang nicht, aber ein Gutteil der Evangelikalen wird sich trotzdem für ihn entscheiden: Ein christlich-konservativer Gouverneur mit Regierungserfahrung und Außenseiter-Botschaft ist für manche auch dann interessant, wenn der Mann beim persönlichen Kontakt weniger eindrucksvoll wirkt.

    5) Der größte Verlierer gemessen an den Vorerwartungen wird mMn Gingrich sein. Seine eindrucksvollen Debattenauftritte liegen weiter und weiter zurück, momentan kriegen die Bürger des Staates stattdessen Unrühmliches aus Newts Vergangenheit um die Ohren gehauen. Wenig Organisation, negative Schlagzeilen wie seine Probleme in Virginia: Das alles wird zu einem suboptimalen Ergebnis führen.

    6) Bachmann führt einen recht soliden Wahlkampf, könnte durchaus auch besser abschneiden. Aber im Vergleich zu Perry und Santorum hält sie mMn im Kampf um konservative Stimmen die wenigsten Trümpfe in der Hand und wird daher ebenfalls kein allzu gutes Ergebnis einfahren: Mit Perrys politischen Erfolgen kann sie ebenso wenig konkurrieren wie mit Santorums Einsatzwillen bei gleichzeitig seriöserer politischer Ausstrahlung.

    7) Huntsman scheint Umfragen zufolge stärker als angenommen; der Kandidat für den moderaten, denkenden Konservativen könnte doch ein paar Stimmen bekommen in einem Staat, den er kaum besucht und im Wahlkampf völlig ignoriert (und sogar geschmäht) hatte. 5% wären da ein gutes Ergebnis, aber letztendlich ist für ihn allein New Hampshire entscheidend.

    Soweit Wanlis Blick in die Kristallkugel, in manchen Punkten werde ich natürlich ziemlich danebenliegen. Wie sehen Eure Prognosen aus?

  • RE: Iowa Caucuses 2012: Prognosen der WaFi-Teilnehmer

    drui (MdPB), 27.12.2011 10:27, Antwort auf #1
    #2

    Da würde ich mich anschließen. Paul dürfte in Iowa gewinnen und dann wird es interessant, ob es Santorum oder Perry oder Bachmann in den folgenden Wahlen schaffen, als machbare Romney-Alternative zu gelten. Ansonsten wird es ein Zweikampf Romney (Establishment) gegen Paul (Wutbürger) und Paul wird bis auf ein paar einzelne Siege nichts reißen können und Romney den Sieg garantieren. Newt wird zur bemitleidenswerten Witzfigur und so was wird ungern gewählt.

  • RE: Iowa Caucuses 2012: Prognosen der WaFi-Teilnehmer

    saladin, 27.12.2011 12:41, Antwort auf #2
    #3

    unterschätze g. nicht

    der hat in seiner zeit mit den besten gepokert (speaker of the house ist immerhin eine der wichtigsten politjobs in der usa)

    und perry hat NOCH genügend kohle um mitzumischen

    diese 4 (paul und romney, g und perry) sind noch für einige runden im rennen

    für die anderen wirds bald eng wenn sie nirgends unter den ersten 3 landen

    p.s.: wenn es romney nicht bald ins trockene schafft könnte es eine convention ohne absolute mehrheit werden (wahrscheinlichkeit dafür vielleicht 10%) und dann sind auch überraschungskandidaten möglich

    ansonsten mein tipp für iowa:

    1.paul

    2./3. knapp beieinander romney und der grinch

    perry abgeschlagen 7.

  • Prognosen der WaFi-Teilnehmer - Romney versus Paul

    gruener (Luddit), 27.12.2011 12:43, Antwort auf #2
    #4

    Wir alle haben Ron Paul bislang als "ewigen Außenseiter" gebrandmarkt. vermutlich auch aufgrund der Erfahrungen von 2008. Schon damals hatte Paul eine treue Anhängerschaft und kandidierte bis zum bitteren Ende. Einmal, bei einem der letzten Primaries, gelang ihm sogar ein überraschender zweiter Platz.

    Aber m.E. läuft mit Blick auf 2012 einiges anders als in 2008:

    • Paul steht kurz davor, ein Primary zu gewinnen. Nicht irgendein Primary, sondern Iowa. Ich bin mir unschlüssig, welchen Hype ein Sieg Pauls auslösen könnte.
    • Die republikanische Basis sucht seit Monaten verzweifelt nach einem Heilsbringer. Sie pushte im Vorfeld mal den, mal jenen Kandidaten und ließ ihn wieder fallen. Paul blieb davon bislang unbeschadet. Ändert sich dies, wenn er aus Iowa als überraschender, aber strahlender Sieger hervorgeht?
    • 2012 findet Pauls letzte große Schlacht statt. Er ist zu alt, um 2016 erneut in den Ring zu steigen.

    Man findet aber auch frappierende Ähnlichkeiten mit 2008. Zumindest, wenn man das Kandidatenfeld parteiübergreifend betrachtet:

    • Es gibt einen vom Establishment gepushten Kandidaten
    • Es gibt einen zweiten Kandidaten, der besten aufgestellt ist und eine große, vor allem aber junge und begeisterte Anhängerschaft um sich scharen kann
    • Die eigentliche Galionsfigur der Partei kandidiert nicht
    • Der Außenseiter wird Iowa gewinnen, der vermeintliche Favorit New Hampshire

    Man ersetze zum besseren Verständnis nun die Namen Romney, Paul und Palin durch Clinton, Obama und Gore.

    ***

    Aus heutiger Sicht könnte es den Zweikampf Romney gegen Paul wirklich geben. Mit ungewissem Ausgang. Oder sagen wir mal so: Kurz vor Iowa 2008 sahen viele einen möglichen Zweikampf zwischen Obama und Clinton. Aber kaum einer traute Obama einen Sieg am Ende zu.

    Wahrlich: Paul ist nicht Obama. Aber: Die Reps sind auch nicht die Dems. Schon 2008 hat die republikanische Basis einen Kandidaten aufs Podest gehoben, der die 70 überschritten hatte und nicht als Kandidat des Parteiestablishment auftrat. Und noch ein Punkt könnte schwer wiegen: Die Möglichkeit eines unabhängigen Kandidaten Ron Paul, der die GOP vermutlich nachhaltig beschädigen würde. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob Paul bei einer solchen Konstellation die Ziellinie erst als Dritter überschreiten würde.

  • RE: Iowa Caucuses 2012: Prognosen der WaFi-Teilnehmer (Gingrich)

    Wanli, 27.12.2011 14:15, Antwort auf #3
    #5

    unterschätze g. nicht

    der hat in seiner zeit mit den besten gepokert (speaker of the house ist immerhin eine der wichtigsten politjobs in der usa)

    Gingrich ist wirklich schwer einzuschätzen, da es nicht so einfach ist, sich den typischen Gingrich-Wähler vorzustellen. Romney ist einer für die Leute, die vor allem Obama schlagen wollen und im Gegensatz zu vielen ihrer konservativen Artgenossen kapiert haben, dass das kein Spaziergang wird. Für Puristen ist Romney natürlich ein rotes Tuch: Der würde keinen Hass-Wahlkampf gegen Barack machen, die Botschaft wäre eher: Obama ist sicher ein netter Kerl und hat die besten Absichten, aber er kann es einfach nicht. Das ist taktisch klug (die meisten Amis hassen Obama nicht), aber für den Großteil der Basis einfach nicht befriedigend.

    Bei Paul ist die Sache recht klar; es gibt nun mal einen (in den letzten Jahren deutlich erstarkten) libertären Flügel, für den einfach nur dieser Kandidat infrage kommt.

    Perry, Bachmann und Santorum sind die Kandidaten für Wähler, die als Evangelikale eine klar christliche Botschaft wünschen. Letztendlich könnten mMn die Santorum-Wähler ohne größere Bauchschmerzen für Bachmann oder Perry stimmen und umgekehrt; deswegen sind zwischen diesen dreien noch größere Verschiebungen möglich.

    Bei Gingrich ist die Zuordnung einfach sauschwierig: Er redet sehr eloquent, emotional und (zumindest oberflächlich) faktenreich über die konservative Revolution, die das Land brauche; viele trauen ihm zu, bei Debatten gegen Obama den Boden mit dem derzeitigen Präsidenten zu wischen (der vielen Reps ja als absoluter Dork gilt, kaum in der Lage, eigenständig einen Satz rauszubringen - was natürlich völliger Quatsch ist; der Basis stünde bei einem Duell Obama versus Gingrich eine unangenehme Entdeckung bevor).

    Gingrich redet sehr anschaulich von der Notwendigkeit eines schlanken Staates, hat aber tatsächlich in seiner aktiven Zeit da nur eine sehr durchwachsene Erfolgsbilanz. Er geißelt staatlichen Aktionismus im Gesundheitswesen oder im Klimaschutz, hat sich aber für beides in der Vergangenheit stark gemacht (was die vielen Fernsehspots gegen Newt mittlerweile auch jedem klar gemacht haben sollten).

    Er spricht rührend über christliche Werte, aber seine zwei (ziemlich hässlichen) Scheidungen, diverse Affären lassen Sozial-Konservative dann doch schlucken.

    Newt stellt eine "Revolution" in Washington in Aussicht, will den ganzen Augiasstall gründlich ausmisten, hat aber Millionen als Lobbyist verdient und war der einzige Sprecher des Repräsentantenhauses in der Geschichte, der wegen unethischen Verhaltens abgemahnt und zu einer Strafe verdonnert wurde.

    Er stellt sich als erfahrenen Wahlkämpfer dar, schafft es aber nicht, in Virginia auf den Stimmzettel zu kommen oder genug Geld für einen ordentlichen Fernehwahlkampf einzutreiben.

    Er ist ein arroganter, herablassender Egoist - wäre er ein Demokrat, dann wäre er genau der Typ, den einfache Republikaner aus tiefstem Herzen hassen würden.

    Der Mann passt in keine Schublade; wenn die Leute sich auf seine Stärken besinnen (das gesprochene Wort), dann kann das viele seiner Schwächen relativieren, das hat man ja an seinem Umfragehoch gesehen. Wird der Focus aber auf seine zahllosen Schwächen gelegt, dann kann dieses positive Bild auch schnell wieder kippen, dann steht Newt rasch als aufgeblasener, opportunistischer Hallodri da. Ich glaube, dass sich letzteres Bild durchsetzen wird, aber sicher sein kann man da natürlich nicht.

  • RE: Iowa Caucuses 2012: Prognosen der WaFi-Teilnehmer

    gruener (Luddit), 27.12.2011 16:48, Antwort auf #2
    #6

    Ansonsten wird es ein Zweikampf Romney (Establishment) gegen Paul (Wutbürger) ...

    Auf europäische Verhältnisse übertragen mag die Begrifflichkeit "Wutbürger" auf Paul ja u.U. zutreffen. (wenn man den Begriff sehr weit dehnt, denn der hiesige Wutbürger will eher mehr Staat denn weniger Staat, ist also in seinem Grundwesen nicht besonders libertär, sondern primär auf staatlich zu garantierende Sicherheit aus) Angesichts des "illustren" Kandidatenfelds der GOP erscheint mir Paul maximal als enfant terrible oder wie ich es an anderer Stelle einmal zu beschreiben wagte: als Einäugiger unter Blinden. Also das krasse Gegenstück zum emotional aufgewühlten, irrational handelnden, populistischen Wutbürger.

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