
Es wird ja wohl nen Markt dazu geben, deshalb mach ich mal nen Thread auf. Nützliche Links sind ne Menge britischer Medien natürlich; besonders praktisch scheint mir allerdings Political Betting zu sein; dort gibt's die aktuellen Umfragezahlen (jüngste Erhebung (ICM): Ja zu Reform 37% / Nein 37%) und dazu allerhand Analysen und Gedankenspiele.
http://www6.politicalbetting.com/
Beispielsweise dieses: Zunächst hatte die No-Kampagne sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, das Referendum am 5.5. zeitgleich mit Kommunalwahlen und den Wahlen zur schottischen und walisischen Regionalversammlung abzuhalten; mittlerweile sind sie still geworden. Umfragen zufolge ist die Ablehnung der Reform nämlich umso ausgeprägter, je ungebildeter der Wähler ist. Diese Zielgruppe der "Thickos" soll den Neinsagern den Sieg bescheren, sie dürften jedoch im Gegensatz zu den im Schnitt gebildeteren Befürwortern schwerer an die Urnen zu locken sein; gleichzeitig stattfindende Wahlen könnten da helfen.
Dieses und andere Details - das Misstrauen vieler Konservativer gegenüber ihrem Häuptling David Cameron in der Wahlrechtsfrage etwa - auch in einem empfehlenswerten Einführungsartikel im Observer:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/feb/20/andrew-rawnsley-electoral-re form
Auch der Wiki-Artikel ist empfehlenswert, stellt beispielsweise in groben Zügen die Positionen der Parteien dar: Die LibDems sind natürlich klar dafür, die meisten kleineren Parteien auch; die Tories weitgehend dagegen (mit Ausnahme einer kleinen innerparteilichen Gruppe von Rebellen), Labour ist von den drei Großen am schwierigsten einer Position zuzuordnen: Die Mehrzahl der Spitzenpolitiker unterstützt die Reform, eine Mehrheit der Abgeordneten ist dagegen.
http://en.wikipedia.org/wiki/United_Kingdom_Alternative_Vote_referendum,_2011
Die Seite der Dachorganisation der Befürworter einer Reform:
http://www.yestofairervotes.org/
Das Gegenstück:
PS: Wär natürlich zu überlegen, ob man die zeitgleichen Wahlen (Lokal, Schottland, Wales) nicht auch mit einem Markt bedenkt; fand die UK-Märkte hier im letzten Jahr eigentlich sehr unterhaltsam; zumindest die Schotten sollten uns eine Prognose wert sein.
Die Wahl zum Regionalparlament findet wie schon erwähnt ebenfalls am 5. Mai statt. Sicher nicht ganz uninteressant, da die schottischen Nationalisten hier die Minderheitsregierung stellen, obwohl sie bei der letzten Wahl nur mit hauchzartem Vorsprung vor Labour durchs Ziel gekommen sind. Werden die Nationalisten ihre Macht festigen können und damit einem Referendum über die Abspaltung vom Königreich näher kommen? Kann Labour wieder die Regierungsgeschäfte übernehmen und damit vom Norden aus Druck auf Westminster ausüben? Wie wirken sich die Koalition und der drastische Sparkurs der Londoner Regierung auf das Ergebnis der schottischen Ableger der beiden Regierungsparteien aus? Zwei Links:
http://en.wikipedia.org/wiki/Scottish_Parliament_election,_2011
Kleines Problem bei einem Markt: In Schottland wird zunächst einmal ein Abgeordneter pro Wahlkreis gewählt; es wird aber auch eine regionale Stimme (Zweitstimme) abgegeben. Klingt kompliziert, ist aber im Prinzip fast genau das deutsche Modell, nur dass die Zahl der per Erst- und per Zweitstimme zugeteilten Sitze nicht gleichgroß ist.
Das Problem: Auch in Umfragen wird auf beiden oben genannten Webseiten ein Wert für das Erst- und einer für das Zweitstimmenergebnis aufgeführt. Man könnte sich für einen von beiden entscheiden, wenn man einen Markt aufsetzt, oder man könnte einen Markt zu den Sitzen für die einzelnen Parteien schaffen.
Die letzte Umfrage vom 14.2.:
Erststimme:
SNP 37
Labour 36
Tories 13
LibDems 10
Zweitstimme:
SNP 35
Labour 33
Tories 13
LibDems 10
Übrigens: Auch in Nordirland wird am 5. Mai gewählt:
http://en.wikipedia.org/wiki/Next_Northern_Ireland_Assembly_election
Zum ersten Mal tritt eine radikale republikanische Neugründung ("Éirígí") an, die gegen die Mitarbeit der Katholiken in der nordirischen Regierung ist.
EDIT: Ein Blog zur schottischen Politik; früher lief es unter SNP Tactical Voting, jetzt mit neutralerem Namen, aber hoffentlich immer noch lesenswertem Inhalt:
Die irische Wahl hat auch Konsequenzen für die nordirische Politik: Dort stehen am 5. Mai ja ebenfalls Wahlen (zum Regionalparlament) an. Sinn Fein scheinen im Süden Zugewinne sicher - möglicherweise können sie die Zahl ihrer Parlamentssitze verdoppeln. Das hat Konsequenzen für den Norden. Die nordirische Lieblingspartei der meisten südirischen Parteien, die SDLP, schießt sich schon mal auf den ewigen Konkurrenten um katholische Wählerstimmen ein:
Im Norden seien die Republikaner um Gerry Adams "grüne Tories", im Süden spielten sie die "roten Kommunisten", ein unaufrichtiger Spagat.
SDLP leader Margaret Ritchie has entered the Irish election fray by accusing Sinn Fein of hypocrisy, calling the party “red communists in the South and green Tories in the North”.
Ms Ritchie accused the republican party of “bringing in Tory cuts in the North where some of them could be avoided, but saying they would fight cuts that are inevitable in the South”.
Die protestantischen Parteien sind verunsichert ob der Zugewinne der entschiedensten Anhänger eines vereinigten Irlands; werden sich die Protestanten nun einmütiger als erwartet hinter der größten protestantischen Partei DUP - bei der General Election im Vereinigten Königreich im letzten Jahr noch abgestraft - versammeln?
Am 5.5. sind Wahlen, unter anderem für das schottische und nordirische Regionalparlament. Gleichzeitig die Abstimmung über eine Wahlrechtsreform. Umfragezahlen vom 9.3.:
YouGov: für Reform 54% / dagegen 46%;
ComRes: dafür 48% / dagegen 52%.
Spannend, das könnte ein schöner Markt sein. Wär auch schnell aufgesetzt und abgerechnet, wenn man einen WTA-Markt daraus macht.
einen markt zu schottland habe ich aufgesetzt. er startet morgen, nordirland folgt.
Mal die jüngsten März-Umfragezahlen der verschiedenen Institute zur Wahlrechtsreform - zumindest hab ich auch bei UK Polling Report keine neueren gefunden. Erkenntnisse:
1) Die Befürworter der Reform liegen gleichauf oder minimal in Führung,
2) die Gegner haben bei mehreren Instituten deutlich aufgeholt (Trend?):
Angus Reid: 51 (-4) Ja zu 49 (+4) Nein,
YouGov: 51 (-3) zu 49 (+3),
ComRes: 50 zu 50.
Die entscheidende Frage: Wer geht zur Wahl, wie wirkt sich das zu erwartende lokale Ungleichgewicht bei der Wahlbeteiligung aus?
Ein wenig hab ich da rausgefunden (aber es darf gern noch jemand weitere Nachforschungen anstellen):
In Nordirland werden sowohl das Regionalparlament als auch Lokalparlamente gewählt; wie Saladin ja schon geschrieben hat, gelten die Nordiren zudem als eifrige Wähler, hier könnte es also die höchste Wahlbeteiligung geben. Pikant: Nordirland bleibt in den Umfragen (auch denen zur Wahlrechtsreform) außen vor.
In Schottland und Wales werden die Regionalparlamente gewählt: Das garantiert vermutlich auch ne ganz ordentliche Wahlbeteiligung.
Im Großteil Englands finden Lokalwahlen statt; gelegentlich auch nur teilweise (ein Teil des jeweiligen Lokalparlamentes wird neu gewählt). In einigen Gegenden (Cornwall, Isle of Wight und andere) gibt es keine gleichzeitige Wahl, vor allem aber nicht im viel gewichtigeren London. In London können wir also wohl mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Beteiligung am Referendum rechnen. Insgesamt steht für 83% der Bürger des UK zeitgleich mit dem Referendum eine Wahl an.
http://en.wikipedia.org/wiki/United_Kingdom_local_elections,_2011
Angesichts der doch sehr knappen Umfragezahlen muss man jetzt nur noch rauskriegen, ob die Nordiren, Schotten und Waliser (mit einer vermutlich überdurchschnittlichen Wahlbeteiligung) einerseits und die Londoner (mit ihrer voraussichtlich unterdurchschnittlichen Teilnahme) andererseits eher für oder gegen eine Wahlrechtsreform sind, dann ist man der erfolgreichen Prognose schon nen guten Schritt näher, würde ich meinen.
Vermutungen? Widerspruch?
Noch mehr Umfragezahlen hier:
Und hier:
Vielleicht hilft uns das ja weiter:
Tories: Nein,
LibDems: Ja,
Labour-Parteiführung: Ja (aber viele MPs und einige Parteigrößen sind für ein Nein),
Grüne: Ja,
UKIP: Ja,
BNP: Nein,
Kommunisten + Respect: Nein (ok, das wird nicht groß ins Gewicht fallen),
SNP (Schottland): Ja,
Plaid Cymru (Wales): Ja,
SDLP (Nordirland): Ja,
DUP (Nordirland): nicht festgelegt,
Allianz + Sinn Fein (Nordirland): lauwarmes Ja.
Die Parteien engagieren sich allerdings in höchst unterschiedlichem Ausmaß für eine Wahlrechtsreform - manche belassen es bei einem Statement, andere werben aktiv für eine Seite.
Besonders amüsant der Standpunkt der kommunistischen Partei:
It says the poll should be treated as a referendum on the coalition.
Wenn man sich die gegensätzlichen Positionen der beiden Koalitionspartner anschaut, wüsste ich schon gern, wie das zu verstehen ist...
http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-11609887
Keine Partei an und für sich, aber möglicherweise auch relevant: Unter den älteren Briten ist der Wunsch nach einem Wechsel des Wahlsystems deutlich weniger verbreitet als unter den jungen - und Senioren sind nun mal die zuverlässigeren Wähler.
Umfragen legen aber außerdem nahe, dass wohlhabendere und besser gebildete Bürger die Wahlrechtsreform eher unterstützen als die ärmeren und ungebildeteren. Letztere werden den Wahlurnen möglicherweise eher fernbleiben - insbesondere, wenn keine zeitgleichen Wahlen anstehen.
The polling suggests that AB voters, the more affluent and generally better-educated segment of the population, are more inclined to support reform. DE voters, by contrast, are more likely to be persuaded that we should stick with the status quo. If the turn-out is low, the DEs will be the ones staying at home. So the no campaign now believe it suits their cause that the referendum will be on the same day as the May elections because that ought to boost turn-out.
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/feb/20/andrew-rawnsley-electoral-re form
Das wird ein ganz kniffliger Markt, in dem Umfragezahlen aufgrund der regional vermutlich sehr ungleichmäßigen Wahlbeteiligung (siehe oben) mit Vorsicht zu genießen sind.
Hier Themeseiten für aktuelle Nachrichten / Hintergrund:
Zu Schottland gibts ja einige, aber zur Assembly Election in Northern Ireland habe ich bis jetzt keine gefunden. Hatte jemand mehr Glück?
Hier immerhin ein Artikel als Appetithappen: Die Wahlen werden als weiterer Sargnagel für die ursprünglich mal dominanten und vergleichsweise moderaten Parteien der Unionisten und der Nationalisten gesehen, die UUP und die SDLP. Beide sind in den vergangenen Jahren immer weiter von der Konkurrenz (DUP beziehungsweise Sinn Fein) in die Defensive gedrängt worden; wofür stehen sie heute noch?
The real problem for the UUP and SDLP is that they face an identity crisis. It is not clear what either party really stands for any more. Having been elbowed out of the middle ground by their counterparts, they no longer know how to market themselves. [...] [M]ore liberal unionists may now find a home with the Alliance Party, while the traditional unionists will see the DUP as the stronger option to protect unionist interests.
The SDLP face similar problems. Like the UUP, their voters can get their needs better catered for elsewhere. Having all but relinquished the Irish nationalist element to their politics the party has haemorrhaged voters to Sinn Féin. This trend looks set to continue: over the next few weeks Sinn Féin will be on the doorsteps talking about the success of the party machine and their progress south of the border in Dáil Éireann while the SDLP twiddles its thumbs with its three powerless MPs in Westminster.That leaves them with voters who are all but agnostic on the union, and again these voters are susceptible to a move to the Alliance Party - who at least know what they want. [...] Having been to the forefront in creating an environment where Northern Ireland can govern itself, the UUP and SDLP now find themselves irrelevant. ‘An ungrateful electorate has already moved on’, they must lament in private. They will garner enough votes to retain a relatively meaningful presence in Stormont, but it will be a stay of execution which could see both parties go from ruling to redundant in a generation.
Sources close to the Scottish Labour leadership confirm that Gray's "mortician chic" look had been orchestrated quite deliberately by party advisers.A key Labour staffer told the Kinlochbervie Chronicle "our research clearly shows that if this election was taking place just 30 years ago, we'd easily win. It's totally legitimate for us to explore ways to energise our dead base in this election." [...] We're the natural voice of Scotland's necropolis and the SNP know this. That's why they're running scared of fair votes for our departed fathers, and grandfathers."After the debate, there were signs that the Labour strategy was working. One zombie audience member who asked not to be named, Norman McPherson 1922 -1978, groaned "I want to be able to vote for a guy I can go down the mortuary with & enjoy a pint of formaldehyde. With his waxy, cadaverous appearance and graveside aubergine ties, Iain Gray's the First Minister for me." Another Motherwell man told us "My dad was a worker. He always voted Labour and always will. His tragic death last year won't change that..."
Manche Dinge ändern sich wohl nie: Gerade ging eine Autobombe unter dem Wagen eines Polizisten hoch und scheint diesen getötet zu haben - in Omagh, vor 13 Jahren Schauplatz des wohl schlimmsten Bombenanschlags der nordirischen Geschichte.
http://www.rte.ie/news/2011/0402/omagh.html
Ein BBC-Blog zur nordirischen Politik:
http://www.bbc.co.uk/blogs/thereporters/markdevenport/
Aus Mangel an Meinungsumfragen hier mal die Ergebnisse der letzten Assembly-Election 2007 sowie der Unterhaus-Wahl im letzten Jahr:
DUP 30,1 / 25
Sinn Fein 26,16 / 25,5
UUP 14,94 / 15,2
SDLP 15,24 / 16,5
Alliance 5,24 / 6,3
http://en.wikipedia.org/wiki/Northern_Ireland_Assembly_election,_2007
Ein paar Fragen:
Beflügelt es DUP oder Sinn Fein, dass der "Ministerpräsident" von der stärksten Partei gestellt wird? Bei der Wahl 2007 ging der Preis an die protestantische DUP, bei den Unterhauswahlen wurde die Partei von der katholischen Sinn Fein überflügelt.
Kann Sinn Fein vom Wahlerfolg in der Republik profitieren?
Hat man der DUP ihre Skandale mittlerweile verziehen?
In wie schlechtem Zustand sind SDLP und UUP wirklich?
Wird die Allianz-Partei weiter zulegen, möglicherweise auch aufgrund eines Motivationsschubs durch den erstmals errungenen Sitz im britischen Parlament? Bei der vorletzten Wahl 2003 war die Partei gerade mal auf 3,7% gekommen; ein gewisser langfristiger Aufwärtstrend scheint mir da schon unbestreitbar.
Alle innerhalb von drei Tagen Ende März erhoben, alle zum Regional Vote, aber mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Sucht Euch eine aus:
Sunday Times:
Labour: 32
SNP: 37
Tories: 11
LibDems: 7
Grüne: 5
Andere: 8
Scotsman:
Labour: 39
SNP: 32
Tories: 12
LibDems: 5
Grüne: 6
Andere: 6
STV:
Labour: 35
SNP: 35
Tories: 14
LibDems: 8
Grüne: 5
Andere: 3
Interessante Beobachtung der ersten Umfrage: Nur 27% der befragten Bürger erkennen Labour-Chef Gray, bei SNP-Chef Salmond sind es 86% (gut, der war natürlich auch schon vier Jahre Regierungschef). Aber auch die Spitzenkandidatin der Tories ist weit mehr Schotten bekannt als Gray.
In den nächsten Wochen finden folgende Wahlen und Abstimmungen statt – zu allen Terminen sind Märkte aufgesetzt worden:
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