> Das wird sich ändern, wenn die Deutschen am Wahltag = Zahltag auf ihren
> überteuert gekauften LIFs, Dinkhausers und Anderen sitzen. Das Potential
> der Neu- und Kleinstparteien wird im Ausland vmtl massiv überschätzt.
>
> Österreicher wissen halt, dass das so nicht kommen wird.
>
> Ich mach mir keine Sorgen, dass wir dann im Ranking wieder vorn sein werden.
> ;-)
>
>
Du bist gut, lieber quaoar!
Habe erst heute wieder in einer sonntagszeitung gelesen, dass meinungsforscher und politologen von bis zu 20 prozent für die kleinparteien schreiben.
Mit deinem hinweis hast du freilich vollkommen recht:
1) Bei dinkhauser entscheidet angeblich morgen endgültig, ob er antritt. Für den fall des antretens glaube ich weder an ein überspringen der 4-prozent-marke noch gar an ein grundmandat in tirol. Von letzterem ist er ganz sicher meilenweit entfernt. Viele seiner wähler bei der landtagswahl haben ihm ihre stimme gegeben, damit er im innsbrucker landtag wirkt.
Sein antreten bei der nationalratswahl würde von vielen als flucht interpretiert werden.
2) Das liberale forum wird mit der heide sicher besser abschneiden als mit haselsteiner oder gar mit zach. An ein überspringen der 4-prozent-marke glaube ich freilich auch nicht. Realistisch sind wohl 3 oder 3,5 prozent wohl vor allem auf kosten der grünen, die damit als mehrheitsbeschaffer endgültig ausgedient haben.
3) Das bzö ist außerhalb kärntens völlig bedeutungslos und auf die erringung eines grundmandates in kärnten angewiesen. Das wird mit einem spitzenkandidaten westenthaler nicht machbar sein. Haider hat in den letzten tagen versucht, riess-passer (!!!) zur rückkehr in die politik zu bewegen. Macht sie das erwartungsgemäß nicht, muss er wohl selbst ran. Er will sich dann offenbar als kanzlerkandidat aufspielen. Das würden lustige fernsehduelle mit strache werden!
4) Und der rest ist komplett zu vergessen:
Die kpö wird wohl irgendwo bei einem prozent landen, die linkspartei vermutlich gar nicht in allen bundesländern kandidieren können, die christen, hackl und wer sonst auch noch immer werden zusammen wohl auch nicht viel mehr als ein prozent in die waagschale werfen können.
da haben sich ja wieder zwei im geiste gefunden.:-)
ob ihr auch recht behalten werdet?
gehen wir einmal davon aus, dass dinkhauser kandidiert, dann sehe ich folgendes, mögliches szenario, auch mit blick auf die vergangenen wahlbörsen, wo die anderen meist unterbewertet waren:
1. es gibt derzeit in Ö eine große parteienverdrossenheit. das warum wurde hier schon öfters erörtert.
2. die parteienlandschaft ist im umbruch. die etablierten großen (regierungs-)parteien werden (stark) verlieren
3. grün stagniert (oder verliert) hausgemacht. "Die Grünen haben es trotz Oppositionsrolle geschafft, in Teilen so fade und konventionell wie eine Altpartei zu werden." (Anita Zielina, derStandard.at, 25.7.2008) dafür gebe ich weniger vdb die schuld, vielmehr seinem umfeld. vdb könnte der garant sein, dass der grüne absturz dieses mal ausbleibt. charlotte roche (feuchtgebiete) bezeichnete sich jüngst als feministin, betonte aber im selben atemzug, dass sie alice schwarzer nie in ihr schlafzimmer lassen würde. ganz ähnlich erginge es wohl den meisten wählern, wenn sie nicht vdb, sondern nur noch lunacek, glawischnig, moser und co wählen könnten.
4. protest ist angesagt. davon profitiert zunächst die fpö. aber längst nicht mehr alleinig. denn auch sie zählt zu den etablierten parteien und nicht einjeder möchte schlagende verbindungen oder wehrsportler in der bundesregierung sehen. wie groß dieser protest wirklich ist, darüber scheiden sich die geister. institute ermittelten in den letzten wochen werte zwischen 10 und 25 %.
5. erstmalig in der 2. republik besteht die chance, dass mehr als eine kleinpartei in den nationalrat einziehen kann. im einzeln:
dinkhauser:
7 % halte ich auch für übertrieben - obwohl, wir hätten ihm 18 % in tirol auch nicht zugetraut, oder? daher: wenn martin 2006 für knapp 3 % gut war, dürfte das heurige protestpotenial, was fritz sicher wählt, erheblich größer sein.
daher gebe ich ihm gute chancen auf einen einzug - trotz kronen-kampagne.
prognose: 5-6%
lif:
heide bringt das lif (unverdient) zurück ins spiel. primär auf kosten der grünen, eine nichtkandidatur von fritz vergrößert die chancen rapide.
prognose: 3-4,5%
kpö:
in linken kreisen sitzt der frust über die spö und die grünen tief. trotz alleinkandidatur wird die kpö zulegen
prognose: 1,5 - 2 %
linksbündnis:
zu radikal, zu dogmatisch. mit alten kadern gelingt kein erfolgreiches abschneiden
prognose: 0,5 %
christen:
fundamentalistische murkspartei. profitieren dennoch von der allgemeinen verdrossenheit
prognose: 0,5 - 1 %
monarchisten:
da sie robert heinrich I nicht als spitzenkandidaten verpflichten werden...
prognose: max. 0,1 %
piratenpartei:
special interest ein-punkt partei, etwas für wikipedianer und andere computerfreaks (wenn sie nicht grade mit börsenmanipulationen beschäftigt sind) da diese die beantragung einer wahlkarte garantiert verpennen werden und die wahllokale spätestens um 17 h schließen...
prognose: 0,05 %
skö / Hackl
wird von der allgemeinen politikverdrossenheit im intellektuellen bürgertum profitieren. auch ein ungewöhnlicher wahlkampf findet seine fans: lieber ein danzer-interpret im parlament als ein molterer/faymann im regierungschefsessel
prognose: 0,5 - 1 %
nowak / die weißen
könnten interessant werden, falls dinkhauser nicht kandidiert.
tendenz: nowak kandidiert, wenn dinkhauser verzichtet. die weißen gibt es nur mit fritz.
prognose: 0 - 1 %
bzö:
profitieren ebenfalls. m.e. mit sicherheit wieder im nationalrat. entweder durch grundmandat oder durch kandidatur von haider bzw riess-passer.
prognose: 3,5 - 7 %
5. summe andere (ohne bzö)
mit dinkhauser: 11 - 14 %
ohne dinkhauser: 7 - 10 %
*****
für den internen markt: 1,7 - 3,7 %
Re: überschätzte kleinparteien? ich weiß ja nicht...
> da haben sich ja wieder zwei im geiste gefunden.:-)
>
> ob ihr auch recht behalten werdet?
Ja.
> gehen wir einmal davon aus, dass dinkhauser kandidiert.
Gegenwärtig sieht's so aus. Die Gerüchte verdichten sich, dass Swarowski ihn finanzieren wird. Lustig.
> 1. es gibt derzeit in Ö eine große parteienverdrossenheit.
Die Verdrossenheit mit den GroKo-Parteien war 1999 genau so groß. Wie immer wird die Gegenwart dramatisiert. in Wahrheit ist es nicht ärger als 1999. Damals erreichten dire GroKo-Parteien gemeinsam trotzdem > 60%. Darunter werden sie auch diesmal nicht fallen.
Gemeinsam 60% wären ein Verlust von 9,5% binnen zweier Jahre! Mehr ist ausgeschlossen.
> 2. die parteienlandschaft ist im umbruch.
Das ist ein häufig gehörtes Gerücht, dem aber keine Tatsachen gegenüber stehen. ;-)
Die Parteienlandschaft befindet sich in einem evolutionären Prozess: Die großen Volksparteien verlieren nach und nach, weil sie ihre Ränder und diverse Spezialinteressen immer schlechter integrieren können.
Dieser Prozess geht im Prinzip langsam vor sich, über Jahrzehnte. Mit Sprüngen auf und ab, zwischendurch. Es gibt keinen Grund, warum er sich plötzlich dramatisch beschleunigen und nun einen Sprung > 10% machen sollte. Das ist alles Dramatisiererei und Hysterie.
> 3. grün stagniert (oder verliert) hausgemacht.
Die Grünen haben ihren Höhepunkt überschritten. Allerdings sind sie mittlerweile auch eine "etablierte" Partei mit Stammwählerschaft, die nicht so leicht verloren geht. Vmtl verlieren sie leicht, insb. schadet ihnen auch das LIF noch.
Die Grünen werden hier immer zu hoch eingeschätzt, das hängt mit der größeren Internet-Affinität ihrer Wähler zusammen.
> 4. protest ist angesagt. davon profitiert zunächst die fpö.
Die FPÖ profitiert vor allem von ihrer inneren Stabilisierung unter Strache + erreicht wieder ihre "Normalform". Die dürfte für eine national-soziale Partei nach ihrem aktuellen Zuschnitt gegen 20% gehen.
> nicht einjeder möchte schlagende verbindungen oder wehrsportler in der
> bundesregierung sehen.
Das ist ein weiteres Gerücht, dem keine Tatsachen gegenüber stehen. Die F ist keineswegs auf schlagende Studenten beschränkt. Der größte Teil ihrer Wählerschaft ist nicht akademisch, sondern proletarisch. Schlagende Verbindungen sind denen egal.
> dinkhauser:
> 7 % halte ich auch für übertrieben - obwohl, wir hätten ihm 18 % in tirol
> auch nicht zugetraut, oder?
Dinkhauser in Tirol habe ich auch unterschätzt. Weil man als Nicht-Tiroler sein lokales Standing dort nicht richtig begreifen konnte. Die ist aber bundesweit nicht gegeben.
Dazu kam ein manifester Konflikt innerhalb der Tiroler ÖVP, der letztlich Dinkhauser hervor brachte. Dink kandidierte ja quasi als ÖVP 2. Ist auch bundesweit nicht gegeben.
Tirol alleine macht nur 8% der österreichischen Wähler aus. Man darf das nicht überschätzen. Tirol ist eines der kleinen Bundesländer. Die großen sind Wien, NÖ, OÖ und Steiermark (gemeinsam 70% der Wähler). Dink ist dort ohne jede Position.
> wenn martin 2006 für knapp 3 % gut
> war, dürfte das heurige protestpotenial, was fritz sicher wählt, erheblich
> größer sein.
Ist eher geringer. HPM war eine österreichweit bekannte Persönlichkeit, Ex-SPÖ. War schon S-Spitzenkandidat bei einer EU-Wahl gewesen, dann ausgetreten.
Dink ist österreichweit eher schwächer einzuschätzen. Seine Spezialposition in Tirol macht das maximal wett. Somit. HPMs 3% von 2006 sind ein guter Richtwert für Dink.
> lif:
> heide bringt das lif (unverdient) zurück ins spiel. primär auf kosten der
> grünen, eine nichtkandidatur von fritz vergrößert die chancen rapide.
> prognose: 3-4,5%
Niemals. Heide bringt niemanden mehr ins Spiel.
Das LIF erreichte 1999 mit Heide unter ähnlichen Umständen (großer GroKo-Ärger), aber unter wesentlich besseren Voraussetzungen (davor im Parlament gewesen - dadurch mediale Präsenz v.a. im ORF, Parteienfinanzierung, kleine, aber recht rührige österreichweite Organisation u.a.m.) 3,4%!
Seither sind 10 Jahrre vergangen, Heide ist erledigt.
Sie werden - über den Daumen gepeilt - vmtl nicht einmal die Hälfte der 3,4% von 1999 schaffen.
Das LIF wird hier maximal überschätzt.
> kpö:
> in linken kreisen sitzt der frust über die spö und die grünen tief. trotz
> alleinkandidatur wird die kpö zulegen
> prognose: 1,5 - 2%.
Yepp. 1,5 sind sicher drin. 2 sind möglich. Vor allem wenn's ihnen gelingt, über ihre Betriebsräte in die SPÖ-Basis in den großen Industriebetrieben einzubrechen. Frustrierte Linksintellektuelle ergeben noch das eine oder andere weitere Zehntel.
> linksbündnis:
Gänzlich irrelevant. Die gesamte Wählerschaft passt ins Amerlinghaus. Die dort waren, um die Kandidatur zu beschließen, sind praktisch alle Wähler. < 0,01%
> christen:
Da darf man sich nicht von den NÖ- und Tirol-Ergebnissen täuschen lassen. Das sind zwei der drei katholischen Bundesländer (neben Salzburg). Im Rest Österreichs bleiben sie weit darunter. Ergibt insgesamt < 0,2%.
> monarchisten:
Irrelevant. Wählt kein Mensch. Können nur ein paar irrtümlich abgegebene Stimmmen einheimsen.
> piratenpartei:
Mir sehr sympathisch, da ich den zunehmenden staatlichen Kontrollwahn für eine massive Gefahr halte. Aber leider begreifen die Leute die Bedeutung freier Kommunikationsstrukturen nicht. Sie begreifen auch nicht, was sich durch computergestützte Auswertung zB aus gespeicherten Vorratsdaten heraus lesen lässt. Sie sehen nicht, dass wir einer umfassenden Bespitzelung entgegen gehen, mit technischen Möglichkeiten, die die Stasi gar nicht hatte.
Die Witze über "verschrobene Computerfreaks" sind absolut unangebracht. Diese Leute haben mit ihren Warnungen vollkommen recht.
Aber leider versteht's einstweilen niemand, daher: 2008 irrelevant.
> skö / Hackl
> wird von der allgemeinen politikverdrossenheit im intellektuellen bürgertum
> profitieren. auch ein ungewöhnlicher wahlkampf findet seine fans: lieber
> ein danzer-interpret im parlament als ein molterer/faymann im
> regierungschefsessel
> prognose: 0,5 - 1 %
Niemals. Kann vmtl nicht einmal die nötigen 2.600 Unterstützungserklärungen organsieren. Steht im Prinzip auf einer Stufe mit Linksbündnis, Monarchisten + Piraten.
> nowak
Tut sich wohl mit Fritz zusammen.
Potential ohne Fritz: max. 1%.
Darf man nicht ganz unterschätzen. Nowak hat durch die EU-Vertrags-Unterschriftenkampagne eine gewisse Bekanntheit + auch ein Reservoir an Aktivisten. Wird außerdem als "bürgerliches" Anti-EU-Alternativprogramm zu Strache von der "Krone" gefördert. (Heute: 2,5 Seiten.)
Allerdings kommt er im Fernsehen nicht vor, da der ORF als Staats-TV völlig auf Pro-Lissabon programmiert ist.
Für Fritz ist die Kooperation aus diesem Grund übrigens eine zweischneidige Angelegenheit.
> bzö:
> profitieren ebenfalls. m.e. mit sicherheit wieder im nationalrat. entweder
> durch grundmandat oder durch kandidatur von haider bzw riess-passer.
> prognose: 3,5 - 7 %
Ohne einen Spitzenkandidaten Haider : gute 5%.
Das BZÖ nimmt von den Verlusten der GroKo-Parteien sein Prozent oder ein wenig mehr mit. Der Spitzenkandidat ist dann fast egal. Den größeren Teil der Stimmen macht ohnehin Haider in Kärnten.
Ist allerdings Haider himself tatsächlich Spitzenkandidat, wird's spannend. Sehr schwer einzuschätzen, wieviele seiner damaligen Fans (österreichweit) immer noch Fans sind. Bleibt die Frage, ob er uns die "Freude" machen wird.
Re: überschätzte kleinparteien? ich weiß ja nicht...
Ich glaub man überschätzt bei solchen Rechenspiele maßlos die Kleinstparteien (damit sind die gemeint die gar keine Chance auf die 4% haben). Hier ist schnell mal von "nur 0,5%" die Rede. 2006 hatte die KPÖ 1,01%, die restlichen Kleinstparteien zwischen 0,22% (NFÖ) und 0,00% (STARK). Dazwischen noch drei mal 0,01% bis 0,04%. Ich vermute dass das antreten von mehr Kleinparteien (LIF und Dink) diesen Kleinstparteien eher etwas kosten wird, gibt es doch mehr und "sinnvollere" Alternativen für Prosteststimmen.
Andere exkl. KPÖ (bzw wie am interenen Markt) hatten 2006 in Summe 0,3%, irgendwo zwischen 0,2% und 0,5% werden sie wohl auch diesmal wieder landen. Da geht es (pro Liste) nicht um 0,x% sondern um 0,0x%, da kommt nix zusammen.
Re: überschätzte kleinparteien? ich weiß ja nicht...
ihr werdet mir sicherlich nachsehen können, dass ich vorerst bei meiner einschätzung bleibe.
auch letztes jahr bin ich heftig dafür gescholten worden, dass ich auf der schweizer börse die anderen vermeintlich hochgerechnet hätte.
rückblickend gebe ich gerne zu, dass ich mich geirrt habe: das ergebnis der anderen lag am wahlabend noch um 1 - 2 prozentpunkte über meiner "viel zu hohen" einschätzung.
Re: überschätzte kleinparteien? ich weiß ja nicht...
Die Kleinstparteien werden unterschätzt, keine Frage. Jedenfalls solange ich noch 2tausendund andere habe die ich nicht rechtzeitig losgeworden bin.
Aber was anderes, Mittwoch Abend 20.00 Manu Chao live aus Bayonne in Arte. Vielleicht mal ne nette Abwechslung zu Obamas in Fitnesstudios, reingelegt von Bildtussis angeblich, BZÖ Haiders, farblosen Molterers und aalglatten Faymanns.Hmm, Nebeneffekt dieser Börse, ich kenn Ösipolitiker, die ich nie kennen wollte, da läuft wat schief :-)
Re: überschätzte kleinparteien? ich weiß ja nicht...